Union Berlin kämpft mit deutlichen Defensivschwächen zu Beginn der Bundesliga-Saison 2026/27, wie das 3:3 im Auftaktspiel gegen Eintracht Frankfurt am 29. August zeigte. Der Klub aus Köpenick, der in der abgelaufenen Spielzeit den 11. Tabellenplatz belegte, geriet nach einer 1:3-Führung der Gäste noch zu einem Punktgewinn, doch die defensive Instabilität war das beherrschende Thema. Das berichtet das Fachmagazin Kicker.
Die Mannschaft von Trainer Mauro Lustrinelli setzte im Waldstadion auf ein 4-2-2-2-System, eine deutliche Abkehr von der historisch etablierten Fünferkette. Diese taktische Neuausrichtung, die bereits in Testspielen als riskant aufgefallen war, führte gegen Frankfurt zu gravierenden Lücken. Innenverteidiger Leopold Querfeld und Livan Burcu begingen individuelle Fehler, während die offensiv ausgerichteten Außenbahnspieler Josip Juranović und Tom Rothe beim Vorrücken die Flanken entblößten. Die zentralen Mittelfeldspieler Aljoscha Kemlein und Rani Khedira konnten die entstehenden Räume nicht schließen, da das System keine Anpassung vorsah.
Warum ist das neue System so anfällig?
Lustrinelli erklärte die Probleme mit der notwendigen Eingewöhnungsphase. "Das ist, wie wenn man ein Haus baut", sagte der Trainer und verwies darauf, dass Union Berlin an eine kompakte Fünferabwehr gewöhnt sei. Der Wechsel zu einer offensiveren Viererkette mit nur zwei defensiven Mittelfeldspielern erfordere Zeit. Diese Zeit fehlte in der hitzigen Phase der Rückkehr, als Union den 1:3-Rückstand aufholte. Die historische Stärke des Vereins, der in der 5. Liga für seine defensive Disziplin bekannt wurde und in der Bundesliga stets wenige Tore und Chancen zuließ, scheint im neuen Konzept zunächst verloren gegangen zu sein.
Die statistischen Daten der Vorsaison unterstrichen die Bedeutung einer stabilen Defense. Union beendete die Saison 2025 mit 39 Punkten auf Platz 11, hatte aber mit 58 Gegentoren bei 44 eigenen Treffern eine negative Tordifferenz von -14. In der Gesamtwertung lag man damit 50 Punkte hinter dem Meister Bayern München. Die jüngste Form vor Saisonstart war mit zwei Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen durchwachsen. Eine solide Abwehrarbeit ist also entscheidend, um sich im gesicherten Mittelfeld zu etablieren und nicht in Abstiegsgefahr zu geraten.
Welche Rolle spielte der Pokalsieg?
Der 4:2-Erfolg im DFB-Pokal gegen Eintracht Braunschweig in der Vorwoche konnte nicht über die grundlegenden Probleme hinwegtäuschen. Während der Angriff dort funktionierte, traten die defensiven Mängel gegen den Bundesliga-Gegner Frankfurt deutlicher zutage. Die Mannschaft zeigte zwar Moral und kämpferische Qualitäten, um das 3:3 zu erreichen, doch die strukturellen Schwächen bleiben die größte Baustelle. Für Fans, die den weiteren Saisonverlauf verfolgen möchten, lohnt ein Blick auf die Spielpläne.
Wie geht es für Union Berlin weiter?
Die nächste große Herausforderung wartet am 21. November mit dem Heimspiel gegen den aktuell drittplatzierten RB Leipzig. Bis dahin hat Lustrinelli Zeit, an der Defensivorganisation zu feilen. Die Mannschaft muss lernen, in dem offeneren System kompakter zu stehen, ohne ihre neue Offensivkraft einzubüßen. Die anstehenden Bundesligaspiele werden zeigen, ob die Umstellung langfristig ein Erfolg wird oder ob Anpassungen nötig sind. Die aktuelle Tabelle und detaillierte Statistiken bieten weitere Einblicke in die Lage des Teams. Der Punkt gegen Frankfurt ist ein erster Schritt, doch die Sorgen um die Defense bleiben.
